Magellans Bordverpflegung

Ferdinand Magellan (1480 – 1521) ist als erster Weltumsegler in die Geschichte eingegangen. Die Forschungsreise im Auftrag der spanischen Krone begann 1519, drei  Jahre später erreichte eines von fünf Schiffen der Flotte den Ausgangshafen Sanlúcar de Barrameda an der Mündung des Guadalquivir. Magellan starb unterwegs auf den Philippinen und konnte die Früchte seiner epochalen Expedition nicht mehr einfahren.

Stefan Zweig hat in seinem Buch „Magellan. Der Mann und seine Tat“ (Wien 1938) nach gründlichen Recherchen diese Fahrt sehr anschaulich beschrieben. Ausführlich schildert er darin, wie die Bordverpflegung aussah, die Magellan einladen ließ:

„Was verzehren zweihundertfünfundsechzig Menschen auf einer Reise, deren Dauer auch annähernd nicht zu erraten ist? Schwierigste Rechnung dies, weil der eine Nenner – die Dauer der Reise – unbekannt ist. Nur Magellan und nur er allein ahnt – er wird es vorsichtigerweise der Mannschaft nicht sagen –, daß es viele Monate, daß es wahrscheinlich sogar Jahre dauern wird, ehe zulänglicher Mundvorrat wieder nachbeschafft werden kann: lieber mehr als weniger wird er darum mitnehmen müssen, und die Mengen sind – in Anbetracht des kleinen Schiffsraums – wirklich imposant. Das Alpha und Omega aller Ernährung bildet der Schiffszwieback: einundzwanzigtausenddreihundertachtzig Pfund hat Magellan an Bord schaffen lassen und sie kosten mit den Säcken dreihundertzweiundsiebzigtausendfünfhundertzehn Maravedis; soweit menschliche Voraussicht etwas berechnen kann, müßte diese riesige Ration sogar für zwei Jahre ausreichen. Auch sonst denkt man bei der Proviantliste Magellans eher an einen modernen Transatlantikdampfer von zwanzigtausend Tonnen als an fünf Fischkutter von zusammen etwa fünfhundert bis sechshundert Tonnen (zehn Tonnen von damals entsprechen elf von heute). Was alles ist da im engen, dumpfigen Schiffsraum zusammengestaut! Neben den Säcken mit Mehl, Bohnen und Linsen und Reis und allen denkbaren Hülsenfrüchten lagern fünftausendsiebenhundert Pfund eingepökeltes Schweinefleisch, zweihundert Fässer Sardellen, neunhundertvierundachtzig Laibe Käse, vierhundertfünfzig Schnüre Knoblauch und Zwiebeln; ihnen hinzugefügt sind allerhand schmackhafte Dinge wie fünfzehnhundertzwölf Pfund Honig, dreitausendzweihundert Pfund Malagatrauben, Rosinen und Mandeln, reichlich Zucker, Essig und Senf. Sieben lebende Kühe (aber die braven Vierbeiner werden nicht lange leben) treibt man noch in letzter Stunde an Bord; damit ist für die erste Zeit Milch und für die spätere frisches Fleisch gesichert. Aber wichtiger als Milch dürfte den robusten Gesellen auf die Dauer doch der Wein sein. Um die Mannschaft in guter Stimmung zu halten, hat Magellan den besten und allerbesten in Xerez einkaufen lassen, und zwar nicht weniger als vierhundertsiebzehn Schläuche sowie zweihundertdreiundfünfzig Fässer; auch hier ist theoretisch auf zwei Jahre hinaus für jeden Matrosen sowohl Mittags- als Abendtrunk sichergestellt.“

Ein Nachbau der „Victoria“ – das einzige Schiff der Flotte, das die Reise vollenden konnte – kann an der Magellan-Straße im Süden von Chile besichtigt werden.

Das Schiff ist winzig und man fragt sich, wie darin 42 Mann Besatzung und die Unmengen an Proviant untergebracht werden konnten. Besonders interessant fanden wir die Küchenausstattung.

Die Magellan-Straße, dieser von der Expedition lang gesuchte und letztlich nach großen Entbehrungen entdeckte Wasserweg zwischen Atlantik und Pazifik, ist wegen der tückischen Wetterlagen bis heute bei den Seefahrern berüchtigt. Unvorstellbar, wie Magellan und seine Besatzungen es mit den damaligen Mitteln geschafft haben, hier heil hindurchzukommen!

 

 

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